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Der Spitzwegerich

Hilfe bei Husten, Insektenstichen und Wunden

(dgk) Für ein Medikament ideale Voraussetzungen: breites Anwendungsspektrum und schnelle Wirkung. Die Arzneipflanze des Jahres 2014 erfüllt beide Kriterien und ist noch dazu in der Natur (fast) überall und kostenlos verfügbar: der Spitzwegerich. Oft sogar als Unkraut tituliert, gehört er in Wirklichkeit zu den wirksamsten Heilpflanzen. Dr. Johannes Mayer vom Institut für Geschichte der Medizin an der Universität Würzburg leitet die Forschergruppe „Klostermedizin“ und schwört darauf: Die Inhaltsstoffe ließen positive Effekte bei Katarrhen der Atemwege und Entzündungen von Mund und Rachenschleimhaut sowie bei Wunden erwarten. Pharmakologische Laboruntersuchungen würden diese Effekte belegen. Die Arzneipflanze des Jahres wird vom Würzburger Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ gewählt, dem auch Mayer angehört.

Schon seit der Antike ist die Arzneipflanze Spitzwegerich bekannt und wurde breit angewendet, auch „Omas Hausapotheke“ kennt zum Beispiel die schnelle Wirksamkeit bei Insektenstichen. Werden die Blätter gut zerkleinert auf den Tierstich gelegt, lindert es den Juckreiz sofort.

„Der König des Weges“

Der Name „Wegerich“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „rich“ ab, was „König“ bedeutet. Wegerich hieße demnach „König des Weges“. Den Spitzwegerich findet man an Wegrändern und in trockenen Weisen. Seinen Namen verdankt er den spitz zulaufenden, langen, schmalen, aufrecht stehenden Blättern, die eine Bodenrosette bilden. In Abhängigkeit zu den Bedingungen kann die Pflanze zwischen fünf und 60 Zentimeter hoch werden. Die Blütezeit reicht von Mai bis in den September. Ursprünglich auf der nördlichen Halbkugel beheimatet, ist er heute nahezu weltweit anzutreffen.

Von der Pflanze werden ausschließlich die Blätter verwendet. Zu ihren wichtigsten Inhaltsstoffen gehören die Iridoidglykoside wie Aucubin und Catalpol, die eine antibakterielle Wirkung zeigen, sowie Schleimstoffe, die reizmildernde Effekte besitzen. Hinzu kommen Gerbstoffe, die mit 6,5 Prozent Anteil die größte Inhaltsstoffgruppe bilden. Sie wirken zusammenziehend (adstringierend) und blutstillend und stabilisieren die Schleimhäute. Weitere Inhaltsstoffe, die an der Heilwirkung des Spitzwegerichs beteiligt sein könnten, sind Flavonoide, Kaffeesäurederivate, Saponin, Kieselsäure und Mineralstoffe wie Zink und Kalium.

Von deutschen und europäischen Kommissionen wurde der Einsatz des Spitzwegerichs zur Linderung von Schleimhautreizungen im Mund und Rachenraum und dem damit verbundenen trockenen Husten anerkannt. So auch vom „Herbal Medicinal Product Commitee“ (HPMC), das auf europäischer Ebene die Kompetenz zur eigenverantwortlichen Beurteilung von pflanzlichen Arzneimitteln innehat. Allerdings liegen keine aktuellen klinischen Studien zum Spitzwegerich vor, weswegen Mayer die Wahl zur „Arzneipflanze des Jahres“ auch als Aufruf an die Forschung verstanden wissen will.

Text-Quelle: dgk
Bild-Quelle: Maria Brzostowska-Fotolia (mit Genehmigung von dgk)
Kontakt: Dr. Johannes Gottfried Mayer, Institut für Geschichte der Medizin, Oberer Neubergweg 10a, 97074 Würzburg, T: (0931) 832 64, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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